Digitalisierung, Technologie- und Klimawandel – MINT-Kompetenzen sind der Schlüssel für die Zukunft

Kompetenzen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) sind zentral, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen. Fast alle Schlüsselbranchen benötigen qualifizierte Fach- und Führungskräfte mit einem Verständnis von mathematischen, naturwissenschaftlichen und technischen Zusammenhängen und einer entsprechenden IT-Kompetenz. Ein Mangel in diesen Bereichen gefährdet den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Der bereits heute bestehende Engpass an naturwissenschaftlich-technisch qualifizierten Arbeitskräften beeinträchtigt die Innovationsfähigkeit der Unternehmen in Deutschland. Die MINT-Fachkräftelücke (Differenz der gemeldeten offenen Stellen und der gemeldeten Arbeitslosen im MINT-Segment) hat sich in der pandemiebedingten Krise zwar deutlich verringert, noch immer übersteigt das Stellenangebot aber deutlich die Anzahl der arbeitssuchenden Fachkräfte (MINT-Lücke im Oktober: 108.700). Dies betrifft insbesondere den IT-Bereich, aber z. B. auch die Bauwirtschaft und Elektro- und Energieberufe. Ein besonders starker Rückgang ist in der Metallverarbeitung und im Maschinen- und Fahrzeugbau zu verzeichnen – jeweils in der Produktion. In Forschung und Entwicklung ist der Rückgang hingegen vergleichsweise gering. Es zeigen sich aber auch langfristige Beschäftigungstrends: Die Zahl der IT-Fachkräfte hat sich von Ende 2012 bis Anfang 2020 mehr als verdoppelt. Bei den akademischen Berufen war der Zuwachs im IT-Bereich mit 87,9 % sogar noch deutlich höher. Deutliche Zuwächse gab es auch in Teilen des Ingenieurwesens. MINT-Fachkräfte sind also auch in der Krise weiterhin dringend gesucht.
 
Wie groß der Bedarf an MINT-Fachkräften ist wird auch dadurch deutlich, dass der Anteil der MINT-Beschäftigten im Alter ab 55 Jahren an allen MINT-Beschäftigten in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Ende 2012 betrug dieser Anteil 15 %, Ende März 2020 bereits 20 %. Auch die Beschäftigung von ausländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ist zwischen Ende 2012 und Anfang 2020 mit knapp 55 % überproportional gewachsen, wohingegen der Anteil von Deutschen in MINT-Facharbeiterberufen im selben Zeitraum konstant geblieben ist. Im Bereich der Spezialisten betrug das Wachstum bei ausländischen Beschäftigten sogar knapp 74 % und im Bereich der Akademiker sogar 124 %. Der Zuwachs unter Deutschen fiel mit 8 % bzw. 29 % deutlich geringer aus. Ohne entsprechende qualifizierte Zuwanderung ist der MINT-Fachkräftebedarf daher schon länger nicht mehr zu decken.
 
Mehr Frauen für MINT gewinnen
Nach wie vor sind Frauen in MINT-Berufen mit 15,3 % deutlich unterrepräsentiert, auch wenn die Anzahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in diesem Bereich von Ende 2012 bis Ende März 2020 um knapp 23 % gestiegen ist. Die BDA engagiert sich daher aktiv im Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen . Zentral ist zudem eine geschlechterneutrale Berufs- und Studienorientierung, wie sie die Initiative „klischeefrei“ unterstützt, an der die BDA ebenfalls beteiligt ist.
 
Mehr junge Menschen für MINT begeistern – Abbrüche reduzieren
Der Grundstock für mehr MINT-Fachkräfte muss jedoch frühzeitig gelegt werden. Alle Schülerinnen und Schüler müssen ausreichende Grundkompetenzen in Mathematik und Naturwissenschaften erwerben. Neben Mathematik sollten zwei naturwissenschaftliche/technische Fächer bzw. Informatik durchgehend bis zum Schulabschluss verpflichtend sein. Zudem muss die MINT-Lehreraus- und -weiterbildung reformiert werden (link zu BDA-Positionspapier Lehrerbildung). Anwendungsorientierter und alltagsbezogener Unterricht muss die Norm werden. Dazu sollten auch verstärkt Kooperationen mit außerschulischen Partnern (z. B. Science Centern) eingegangen werden. Politik und Hochschulen müssen zudem alles tun, um die überdurchschnittlich hohe Studienabbrecherquote in den MINT-Fächern deutlich zu senken, z. B. durch eine verbesserte Betreuungsquote und zusätzliche Brückenkurse, die den Übergang von Schule zu Hochschule erleichtern. Generell muss durch einen Ausbau der Beruflichen Orientierung an den Schulen stärker für eine MINT-Berufsausbildung geworben werden.
 
MINT-Reporting liefert Zahlen und Fakten
Halbjährlich im Frühjahr sowie im Herbst legt das IW Köln im Auftrag von Gesamtmetall, BDA und der Initiative „MINT Zukunft schaffen“ einen umfassenden Bericht zur zukünftigen MINT-Arbeitsmarktentwicklung sowie zur Entwicklung der Qualität und Quantität der MINT-Bildung in Schulen und Hochschulen vor. Damit misst die Wirtschaft einerseits die Wirksamkeit ihrer zahlreichen MINT-Aktivitäten und andererseits, ob in Politik, Schulen und Hochschulen die notwendigen Änderungsprozesse erfolgt sind und fruchten.
Nationales MINT Forum – Gemeinsam für bessere MINT-Bildung
Die BDA engagiert sich im Nationalen MINT Forum. Dort haben sich über 30 Institutionen zusammengeschlossen, die sich für die Förderung der Bildung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik einsetzen. Gegründet wurde der Zusammenschluss im Jahr 2012 auf Initiative von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und der Initiative "MINT Zukunft schaffen" in enger Kooperation mit der BDA.